© 2016 Michael Kuonen

Schwedischer Triathlon - Ein Reisebericht

21 Sep 2016

Tag 1 – Anreise nach Olsäter (Provinz Värmland, Schweden)

 

Flug Zürich – Stockholm, 2 h 20 min; Zugfahrt Stockholm – Karlstad, 2 h 35 min; Autofahrt Karlstad – Olsäter, 45 min.

 

Nach einem angenehmen Flug von rund 2 h 20 min ab Zürich landeten wir (meine Freundin und ich) pünktlich in Stockholm. Auch das Gepäck (inkl. Multifuel-Kocher) kam an, ohne dass wir zu einer gesonderten Gepäckkontrolle aufgerufen worden wären. Nachdem die Rucksäcke in einem Schliessfach im Bahnhof von Stockholm verstaut waren, ging es auf eine kleine Erkundungstour durch Stockholm. Bis zur Abfahrt des Zugs nach Karlstad standen noch gute vier Stunden zur Verfügung.

 

 

 

 

Allerdings war es viel eher ein gezieltes Aufsuchen der Outdoor-Shops, die ich zuvor auf dem Smartphone lokalisiert hatte, als eine Erkundungstour. Primäres Objekt der Suche waren Gaskartuschen für den Kocher. Pflichtbewusst hielt ich meine Augen aber selbstverständlich auch für alles Spannende, was man sonst noch so in Outdoor-Shops findet, offen. Gaskartuschen haben wir gefunden und gekauft, was – wie sich später herausstellte – eine weise Entscheidung war. Aber auch sonst habe ich viel Begehrenswertes entdeckt. Das tue ich in Outdoor- und Bergsportläden immer. Angetan hat es mir dieses Mal eine Schwedische Axt von Gränsfors Bruk. Kein grosses und schweres Spaltbeil. Eine kleine, handliche Axt für unterwegs. Feuerholz hacken, mich durch dichten Wald kämpfen, Bäume fällen… Ich sah es schon vor mir: Meine Axt und ich in der Wildnis. Von einem Kauf hielt mich aber zweierlei ab: Einerseits das zusätzliche Gewicht und andererseits Bedenken betreffend das Mitführen einer Axt auf dem Rückflug.

 

Um ca. 16:40 Uhr trafen wir in Karlstad ein. Am Bahnhof wurden wir von Erik abgeholt. Zusammen mit seiner Frau Vanessa betreibt Erik das Klarälvsbanan Bed & Breakfast in Olsäter. Erik und seine Frau stammen ursprünglich aus Holland, leben aber bereits seit 12 Jahren in Schweden. Neben dem B&B, wo sie vor allem Abenteuerferien für Familien anbieten, organisieren sie auch den Schwedischen Triathlon. Für diesen waren wir angereist.

 

 

 

 

 

Tag 2 – Mit dem Bike von Olsäter nach Deje

 

Distanz: 35,6 km; Zeit: 2 h 35 min; Anstieg: 440 Hm.

 

Nach einer ersten Nacht im Zelt beim Klarälvsbanan B&B, war es nun also soweit. Ausgerüstet mit einer Karte und einer Routenbeschreibung in Textform waren wir bereit, den Schwedischen Triathlon in Angriff zu nehmen. Vor uns standen sechs weitere Nächte im Zelt sowie je zwei Tagesetappen mit dem Bike, im Kanu und zu Fuss. Sämtliche Ausrüstung (Zelt, Matte, Schlafsack, Kochausrüstung, Nahrungsmittel etc.) werden wir dabei stets mit uns führen.

 

Zunächst ging es von Olsäter mit dem Bike nach Deje. Die Strecke führte grösstenteils über eine nicht asphaltierte, aber breite Strasse. Der Gepäckwagen an meinem Bike machte sich stärker bemerkbar als gedacht. Auf der hügeligen Strecke zwang er mich (mit zwei Rucksäcken beladen) mehrmals beinahe in den kleinsten Gang. Angesichts der Steilheit der zu meisternden Anstiege, eine eher ungewohnte Erfahrung. Im Gegenzug verspürte ich auf den Abfahrten einen angenehmen Schub von hinten.

 

 

 

 

In Deje angekommen, schlugen wir unser Zelt am Fluss Klarälven auf. Das Wetter war prächtig: Sonne und blauer Himmel. In einem kleinen Supermarkt deckten wir uns mit dem nötigen Proviant für die bevorstehenden Tage ein. Abends gönnten wir uns einen am Feuer (auf einem improvisierten „Grillrost“) gebratenen Burger. Gehacktes Feuerholz stand in einem kleinen Schopf zur Verfügung. Eine kleine Axt zur Zerkleinerung der Holzstücke wäre durchaus nützlich gewesen. Das Lagerfeuer hätte so wohl noch etwas schneller in Gang gebracht werde können.

 

 

 

 

 

Tag 3 – Mit dem Kanu von Deje auf „die Insel“

 

Distanz: 18,6 km; Zeit: 3 h 55 min.

 

Nachdem das am Lagerplatz in Deje bereitliegende Kanu (ein Kanadier) beladen war, ging es auf das nasse Element. Das erste Mal, dass ich mich auf einem Kanadier fortbewege. Mit Blick auf den Einkauf vom Vortag war ich froh, das Gepäck nicht auf den Schultern tragen zu müssen.

 

 

 

 

Nach den ersten rund 2,5 km auf dem träge fliessenden Fluss Klarälven verliessen wir diesen und steuerten den See Lusten an. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich vergessen hatte, den kleinen Schopf beim Camp wieder abzuschliessen. Zurückpaddeln war angesagt (flussaufwärts). Von nun an musste ich mich mit dem Erteilen von"Paddel-Tipps" etwas zurückhalten.

 

 

 

 

Doch noch am nördlichen Seeende des Lusten angekommen, erreichten wir nach einer kurzen Landpassage den See Västra Örten. Auf diesem suchten wir uns eine der zahlreichen Inseln zum Nächtigen aus. Die beiden Inseln, die es in die Schlussrunde geschafft hatten wurden sogar zweimal inspiziert. Nur so konnte die richtige Inselwahl sichergestellt werden. Entsprechend sieht der GPS-Track aus:

 

 

 

 

Die Auswahlkriterien waren eine möglichst flache, stein- und wurzelfreie Stelle für das Zelt und eine schöne Aussicht für das Fotografieren der Milchstrasse. Aufgrund der gegen Abend aufziehenden Wolken, kam es aber schliesslich nicht zu der gewünschten Aufnahme des Nachthimmels.

 

 

 

 

 

Tag 4 – Mit dem Kanu von „der Insel“ zum Östra Örten

 

Distanz: 23 km; Zeit: 5 h 10 min.

 

Mit dem Kanu ging es weiter zum Östra Örten. Über einen weiteren kleinen See und nach einer längeren Landpassage von etwas über einem Kilometer waren das westliche Ende des Östra Örten erreicht und das Kanu wieder im Wasser.

 

 

 

 

Das Nachtlager sollte am nördlichen Seeende aufgeschlagen werden. Wegen des aufkommenden Windes und dem damit verbundenen Wellengang dauerte die Durchquerung länger und war anstrengender als gewünscht. Teilweise hatte man nicht wirklich das Gefühl vorwärts zu kommen. Im Zick-Zack kämpften wir uns zum Tagesziel.

 

 

 

 

 

Tag 5 – Zu Fuss vom Östra Örten zum Naturreservat Brattforsheden

 

Distanz: 18,5 km; Zeit: 4h 25 min; Anstieg: 345 Hm.

 

Das Kanu liessen wir am nördlichen Ende des Östra Örten zurück und machten uns zu Fuss auf den Weg zum Naturreservat Brattforsheden. Grösstenteils liefen wir auf einer unbefestigten, aber breiten Waldstrasse. Die Landschaft war nicht besonders abwechslungsreich und die Wanderung daher nicht besonders attraktiv. Auf der breiten Strasse kamen wir immerhin zügig voran. Erst auf den letzten 2 bis 3 km bafand man sich im Naturreservat.

 

 

 

 

Die Nacht verbrachten wir im Naturreservat bei einem Unterstand am Fluss Svartan. Neben der Insel war dies wohl unsere schönste Lagerstelle. Beim Holzsammeln für das abendliche Lagerfeuer wäre eine Axt subjektiv abermals von sehr grossem Nutzen gewesen. Ein Feuer brannte an diesem Abend aber trotzdem.

 

 

 

 

Das Fazit der Tagesetappe war: Die Rucksäcke sind zu schwer. Bei der Gepäckaufgabe in Zürich wog mein Rucksack noch 16 kg. Hinzu kamen 4,5 kg Trinkwasser (3 Flaschen à 1,5 Liter), das Handgepäck (inkl. Fotoausrüstung) sowie verschiedene Nahrungsmittel. Insgesamt schätzte ich das Gewicht meines Rucksacks auf 23 bis 25 kg. Auf der Suche nach Möglichkeiten der Gewichtsoptimierung kam ich zu folgendem Ergebnis: 3 kg hätten wohl eingespart werden können. Eine Jacke weniger, ein Paar Wanderhosen weniger (ein langes und ein kurzes Paar hätten gereicht), kein Stativ, nur ein Kameraobjektiv. Zusätzlich hätte beim Trinkwasser auch einiges an Gewicht eingespart werden können. Das Fluss- oder Seewasser wäre angeblich trinkbar gewesen. Wir griffen aber einzig für das Kochen darauf zurück.

 

 

 

Tag 6 – Auf dem Svartaleden Trail zum Grässjön

 

Distanz: 17 km; Zeit: 4 h 40 min; Anstieg: 240 Hm.

 

Nach einer erholsamen Nacht ging es auf dem Svartaleden Trail zum Unterstand am See Grässjön, wo wir das nächste Nachtlager aufschlugen. Die ganze Route führte auf einem schmalen Weg durch die Wälder des Naturreservats Brattforsheden. Immer wieder führte der Weg am Fluss Svarten entlang. Landschaftlich war diese Tagesetappe die Schönste. Auch hatten wir Glück und konnten eine Elchkuh mit ihrem Kleinen beobachten.

 

 

 

 

 

 

Relativ früh verkrochen wir uns nach dem Abendessen und einem kleinen Lagerfeuer (eine Axt hätte die Motivation zum Holzsammeln sicherlich massiv gesteigert) in die Schlafsäcke. Wir waren erschöpft. Mein Rucksack war kaum leichter gewesen als am Vortag.

 

 

 

Tag 7 – Mit dem Bike zurück nach Olsäter

 

Distanz: 43,5 km; Zeit: 4 h 45 min; Anstieg: 350 Hm.

 

Wir bekundeten zunächst etwas Mühe, die für uns bereitgestellten Bikes zu finden. Als wir diese schliesslich aufgespürt hatten, traten wir die Fahrt zurück nach Olsäter an. Die Route führte stets über befestigte Strassen. Zwischen Munkfors und Olsäter verlief sie auf der Klarälvsbanan, einer ehemaligen Eisenbahnstrecke, die asphaltiert wurde und heute Fussgängern, Velofahrern, Inline-Skatern, Rollskifahrern usw. zur Verfügung steht.

 

Abends, zurück im B&B Klarälvsbanan, erwartete uns ein typisch schwedisches Essen: Kolbullar. Es handelt sich um eine Art Pfannkuchen oder Omelette. Der Teig wird mit Roggen, Mehl und Wasser zubereitet. Dieser wird mit Speck in einer Pfanne, welche direkt in die Glut gelegt wird, gebraten. Zum Schluss noch ein Löffel Preiselbeerkonfitüre dazu und fertig war die leckere Malzeit. Geschmeckt hat’s wunderbar.

 

 

 

 

 

 

 

Tag 8 – Rückreise in die Schweiz und Fazit

 

Autofahrt Karlstad – Olsäter, 45 min; Zugfahrt Stockholm – Karlstad, 2 h 35 min; Flug Zürich – Stockholm, 2 h 25 min.

 

Am Tag der Rückreise brachte uns Erik wieder nach Karlstad. Von dort ging es mit dem Zug zurück nach Stockholm und schliesslich mit dem Flugzeug zurück nach Zürich. Unser Flug hatte rund eine Stunde Verspätung. Dies störte mich aber nicht weiter. Ich war glücklich. Nicht nur durfte ich spannende Tage in der schwedischen Natur erleben, auch wusste ich eine kleine Axt in meinem Gepäck. Wer hätte das jetzt gedacht!?

 

Wir verbrachten spannende und abwechslungsreiche Tage in Schweden, die uns noch lange in Erinnerung bleiben werden.

 

 

 

 

 

 

 

Share on Facebook
Share on Twitter
Please reload

Karte
RSS Feed
  • Black Instagram Icon
Kategorien (Blog-Filter)
Das könnte Sie auch interessieren:

Von Visperterminen via Gibidum zum Simplonpass (1'550 Hm, 27 km)

18 Jun 2018

Trail: Wilderswil - Schynige Platte - Faulhorn - Grindelwald First (2'430 Hm auf 24 km)

26 Oct 2017

Trail: Stans - Stanserhorn (1'470 Hm auf 8 km)

16 Oct 2017

1/10
Please reload