© 2016 Michael Kuonen

Nightrace Lenk 2017

14 Feb 2017

Samstag, 11. Februar 2017, 12:21 Uhr: Ich steige in den Zug nach Lenk im Simmental. Vor mir liegt eine Zugreise von rund 2 Stunden. Hinter mir liegt eine nicht sehr erholsame Nacht. Eine starke Migräne sowie Unwohlsein am Vorabend und in der Nacht liessen mich nur sehr unruhig schlafen. Um ja nicht krank zu werden, traf ich noch allerhand Massnahmen: Ich trank Wasser mit einer aufgelösten Multivitamin-Brausetablette, kaute Ingwer, schluckte Panadol gegen die Kopfschmerzen und trank viel Tee und Ingwer-Wasser. Alles in der Hoffnung am nächsten Tag fit zu sein für das Skitourenrennen an der Lenk.

 

 

Die getroffenen Massnahmen haben genützt. Auch wenn ich nicht gerade behaupten kann, in Topform zu sein, so bin ich immerhin nicht krank geworden. Nur die Kopfschmerzen sind noch vorhanden, wenn auch nicht mehr ganz so stark.

 

 

Foto: André Glauser (www.andreglauser.com)

 

 

Das Nightrace Lenk ist als Skitouren-Einzelrennen Teil des SAC Swiss Cup und des Dynafit SAC Youth Cup. Start und Ziel des Rennens befinden sich mitten im Dorf. Es umfasst zwei Aufstiege, eine Portage und zwei Abfahrten. Die insgesamt rund 1’300 Höhenmeter werden auf einer Distanz von 12,8 km zurückgelegt. Rund 80 Teilnehmer haben sich in diesem Jahr angemeldet.

 

Noch 3, noch 2, noch 1… um Punkt 17:30 Uhr fällt der Startschuss. Es geht los. Die Skier und Stöcke in der Hand laufen wird los. Im Laufschritt geht es auf der Strasse durch das Dorf. Die Zuschauer feuern an. Nach rund 300 Metern können die Skier angeschnallt werden und ich nehme den ersten Aufstieg in Angriff. Bald merke ich, dass ich heute tatsächlich nicht in Bestform bin und meine Beine nicht ganz so wollen, wie ich es gerne hätte. Aber immerhin schmerzt mein Kopf nicht. Der erste Aufstieg ist ein ziemlicher Kampf mit mir selbst. Ich rede mir ein, "akzeptiere, dass es heute nicht so läuft, lauf einfach dein Tempo und geniesse das Rennen".

 

 

Foto: André Glauser (www.andreglauser.com)

 

 

Nach 570 Höhenmetern ziehe ich bei der Mittelstation Stoss die Felle von den Skiern, arretiere die Schuhe und begebe mich auf die erste Abfahrt. Es ist noch genügend hell. Die Stirnlampe bleibt aus. Eine kurze Abfahrt und dann heisst es, Felle wieder montieren und ran an den zweiten Aufstieg. Bei diesem fühle ich mich wesentlich besser. Ich scheine meinen Rhythmus zu finden. Schritt für Schritt laufe ich die Piste hoch und die Moral steigt wieder. Die Stirnlampe ist mittlerweile eingeschaltet.

 

 

Foto: André Glauser (www.andreglauser.com)

 

 

Unterhalb der Bergstation Mülkerblatten folgt die Portage. Die Skier auf den Rucksack gebunden, steige ich ein schmales und steiles Couloir hoch. Die Portage ist mit Fixseilen gesichert und an einer Stelle sind zwei Aluminiumleitern angebracht. So eine Portage ist immer etwas feines. Nach der Portage folgen noch wenige 100 Meter mit den Skiern. Bei der Bergstation Mülkerblatten angekommen, ziehe ich die Felle ab, schalte die Stirnlampe auf volle Helligkeit und stürze mich in die grosse Abfahrt auf der Skipiste hinunter ins Ziel.

 

 

Foto: André Glauser (www.andreglauser.com)

 

 

Noch die Woche zuvor hatte ich mir überlegt, eine stärkere Stirnlampe anzuschaffen. Beim letzten Skitouren-Nachtrennen (dem Diemtigtaler Nachtspricht) wurde mir bewusst, dass meine Lampe für rasante Abfahrten in der Nacht nicht wirklich hell genug ist. Ich habe mir aber gedacht, dass es vorerst genügen würde, neue Batterien einzusetzen. Diese sorgten denn auch tatsächlich für etwas mehr Leuchtkraft.

 

 

 

 

Trotz nicht ganz optimaler Sicht lasse ich die Skier laufen und sause von einem Signallicht (blinkende Baustellenlampe) zum nächsten. Zugegeben, anstatt die Sicht zu bemängeln könnte man natürlich auch die Geschwindigkeit an die Lichtverhältnisse anpassen. Im Rückblick wäre das wohl die weisere Entscheidung gewesen.

 

Die Piste ist schön flach und ich werde mutiger. Ich riskiere einiges und schliesslich zu viel. Bereits nach rund 2 Minuten Abfahrt wirft mich eine übersehene Bodenwelle aus dem Gleichgewicht. Ich stürze, überschlage mich und verliere einen Ski. Verletzt habe ich mich zum Glück nicht. Auf der Suche nach dem verlorenen Ski irre ich am Pistenrad mehrmals auf und ab. "Weiter oben? Oder doch weiter unten? Bitte sei noch irgendwo!" Als ich schon aufgeben und mit nur einem Ski zurück ins Ziel fahren will, sehe ich im Pulverschnee abseits der Piste eine einzelne frische Spur, die von einem bzw. meinem Ski stammen könnte. Der Spur folgend finde ich schliesslich den verloren geglaubten Ski im Wald unterhalb der Piste.

 

Zurück auf der Strecke legt sich die anfängliche Freude über den Fund schnell wieder, denn ich stelle fest, dass beim Sturz die Bindung zerbrochen war und ich nun doch auf einem Ski ins Tal fahren muss. Für die verbleibende Abfahrt von rund 600 Höhenmetern, die von einem brennenden rechten Oberschenkel, einem gescheiterten Versuch, mit dem Ski am linken Fuss zu fahren, dem einen und anderen Umfallen und kleineren Verschnaufpausen geprägt ist, benötigte ich gute 20 Minuten. "Immerhin habe ich meinen Ski wieder gefunden", redete ich mir unterwegs mehrmals ein.

 

 

 

 

Trotz allem komme ich zufrieden im Ziel an und bin sogar ein wenig stolz, nicht als Allerletzter einzulaufen. Ich gönne mir einen heissen Tee, eine warme Dusche und einen grossen Teller Pasta bei der Pasta Party für die Läufer, bevor ich mit dem Zug wieder nach Hause fahre.

 

Mein Fazit: Ein tolles Rennen, an dem ich im nächsten Jahr gerne wieder teilnehmen werde. Dann aber mit meiner brandneuen Stirnlampe, die ich mir in der Zwischenzeit bereits gekauft habe.

 

 

 

 

Offizielle Hompage: > Nightrace Lenk <

 

 

 

 

 

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