© 2016 Michael Kuonen

Eine Nacht im selber gebauten Iglu

23 Feb 2017

Es ist Samstagmorgen. In Bern steigen wir in den Zug Richtung Berner Oberland. Ziel ist die Engstligenalp bei Adelboden. Dort wollen wir ein Iglu bauen und die Nacht darin verbringen. Die Wetterprognosen haben ein sonniges Wochenende vorhergesagt. Beste Voraussetzungen also für unser Vorhaben.

 

Bei der Talstation "Unter dem Birg" Treffen wir Jürg. Er ist Bergführer bei der Alpinschule Bergfalke und wird uns heute zeigen, wie so ein Iglu richtig gebaut wird. Auf der Engstligenalp angekommen, empfängt uns eine traumhaft schöne Winterlandschaft. Noch am Vorabend hatte es in den Bergen gute 10-15 cm geschneit.

 

 

 

 

Unter der Anleitung von Jürg suchen wir zunächst einen geeigneten Standort für den Bau unseres Iglus. Obwohl es in den letzten Wochen noch ein paar Mal geschneit hatte, liegt nach wie vor nicht übermässig viel Schnee. Die Schneedecke soll aber möglichst hoch sein, damit später noch ein Eingang gegraben werden kann. Indem die Oberkannte des Eingangs unter der Schlaffläche liegt, soll nämlich die wärmere Luft im Iglu bleiben und nicht entweichen.

 

Wir finden eine passende Stelle mit rund 80 cm Schnee und legen sogleich los. Es ist 10:30 Uhr. Zunächst wird die Grösse des geplanten Iglus bestimmt. Dazu stecken wir einen Stock, an dem eine Reepschnur befestigt ist in den Mittelpunkt des geplanten Iglus und liegen Probe, um den Radius der Grundfläche zu bestimmen. Dieser stellt gleichzeitig auch die Höhe des künftigen Iglus dar. Noch voller Tatendrang scheuen wir eine grosszügige Bemessung nicht. Schliesslich soll unser Iglu ja auch einen gewissen Mindestkomfort bieten.

 

 

 

 

Dann geht es an das Sägen der ersten Schneeblöcke. Der Steinbruch (eine "eingestampfte" Schneefläche) befindet sich in weiser Voraussicht gleich neben dem geplanten Iglu. Die Schneeblöcke sind mit rund 70 x 30 x 20 cm nicht nur relativ gross, sondern auch erstaunlich schwer. Ich schätze sie auf durchschnittlich gute 10 kg.

 

 

 

 

Wir haben uns mittlerweile in Zweierteams aufgeteilt. Die einen schneiden weiter Schneeblöcke und die anderen kümmern sich um den Bau des Iglus. Jürg zeigt uns, wie die Blöcke aneinandergesetzt werden müssen, damit sich diese gegenseitig abstützen und die Wand hält. Spiralenmässig im Kreis drehend setzen wir einen Schneeblock an den anderen.

 

 

 

 

 

Bei der dritten Reihe und nach mehreren Schneeblöcken die auseinanderfallen, kommen mir so allmählich Zweifel, ob wir das Iglu bis zum Abend (Jürg wird spätestens um 17:00 Uhr auf die letzte Bahn müssen) auch tatsächlich fertigbekommen oder ob wir unter freiem Himmel werden schlafen müssen. "Vielleicht waren wir bei der Bestimmung der Grösse des Iglus etwas gar optimistisch", denke ich mir. Nach dieser Phase mit eher schlechten Bausteinen (für die klarerweise Team Steinbruch verantwortlich ist, welchem ich natürlich nicht angehöre ;-)) folgen aber mehrere ausgezeichnete Blöcke, die uns alle wieder zuversichtlich stimmen.

 

Nach einer kurzen Pause krampfen wir fleissig weiter. Der Steinbruch liefert nun einen Superblock nach dem anderen. Im Tagesverlauf hat die Sonne den Schnee verfestigt, so dass wir jetzt relativ zügig vorankommen.

 

 

 

 

Um 15:40 Uhr ist es geschafft, unser Iglu inkl. Eingang steht. Ziemlich stolz richten wir unseren Schlafplatz ein: Blache, Schlafmatten und Schlafsäcke. Zu Abend essen wir im nahegelegenen Berghaus Bärtschi. Zugegeben, das ist outdoor light, aber bei der ersten Nacht in einem Iglu muss man ja nicht gleich übertreiben. Das saftige Cordon-Bleu haben wir uns verdient.

 

 

Technische Daten des Iglus:

Höhe: ca. 1,80 m

Durchmesser: ca. 3,60m

Platz: 4 Personen inkl. Gepäck

Bauzeit: 5 h (mit 20 min Pause)

 

 

 

 

Nun ist es also soweit. Die Nacht im Iglu steht bevor. Wir richten uns in unseren Schlafsäcken ein. Es ist 22:00 Uhr und mein Thermometer zeigt -0.6 Grad an. Eigentlich ganz angenehm. Im Verlauf der Nacht sinkt die Temperatur im Iglu jedoch. Der tiefste gemessene Wert liegt bei -5,5 Grad, was etwas unter der Komfortzone meines Schlafsacks, aber deutlich über der Aussentemperatur liegt.

 

 

 

 

Die Nacht gestaltet sich eher unruhig. Ich wache in regelmässigen Abständen auf und es ist schwierig eine gemütliche Position zu finden. Die Temperatur lässt sich demgegenüber gut aushalten. Meine Unruhe ist eher darauf zurückzuführen, dass dies seit längerem wieder meine erste Nacht mit Matte und Schlafsack ist. Diese gestaltet sich bei mir meist nur wenig erholsam. Als ich morgens um 06:00 Uhr aufwache, ist mir dann doch etwas kühl. Mein Thermometer zeigt -3,9 Grad an.

 

 

 

 

Auch der Sonntag ist ein wunderbar sonniger Tag. Wir packen unsere Rucksäcke, unternehmen noch einen kleinen Spaziergang und machen uns dann auf den Heimweg. Der Bau des Iglus sowie die Nacht darin werden mir noch lange als tolles Erlebnis in Erinnerung bleiben. Das war sicher nicht meine letzte Nacht in einem Iglu.

 

 

 

 

 

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