© 2016 Michael Kuonen

Die Patrouille des Glaciers 2018

28 May 2018

Nun ist es bereits etwas mehr als ein Monat her, seit die Patrouille des Glaciers (PDG) zum 21. Mal durchgeführt wurde. Auch in diesem Jahr waren meine beiden Brüder und ich wieder angemeldet, nachdem unser Start bei der letzten Austragung der PDG aufgrund der schlechten Wetterbedingungen abgesagt werden musste.

 

Hier nun ein kleiner Bericht über unserer Teilnahme an diesem legendären Skitourenrennen, das - ihr werdet es ahnen - in diesem Jahr vollständig durchgeführt werden konnte.

 

 

 

Materialkontrolle

 

Die Materialkontrolle lief bei uns leider nicht ganz so glatt, wie wir uns das vorgestellt hatten. Einerseits gingen wir davon aus, dass nur diejenigen Ausrüstungsgegenstände geprüft werden, die gemäss Reglement mit einer besonderen Kennzeichnung (Plombe oder Kleber) markiert werden, was aber ein Irrtum war. Andererseits mussten wir feststellen, dass bei einem unserer Stöcke eine (abnehmbare) Handschlaufe fehlte, die wohl irgendwo auf der Reise nach Zermatt verloren gegangen war.

 

Folglich mussten wir die fehlenden Ausrüstungsgegenstände nochmals zur Kontrolle bringen und ein paar Ersatzstöcke organisieren. Dieses hin und her bei der Materialkontrolle und die finale Vorbereitung der Ausrüstung (z.B. Präparierung des Seils), die schliesslich auch noch einige Zeit in Anspruch nahm, liess die gewünschte Ruhe vor dem Start vermissen.

 

 

 

 

Nach der Informationsveranstaltung in der Kirche von Zermatt - wo angekündigt wurde, dass das Rennen stattfinden kann - und unserem Abendessen konnten wir uns schliesslich doch noch ein paar Minuten entspannen und uns mental auf die bevorstehenden Anstrengungen (rund 4'000 Höhenmeter und 110 Leistungskilometer) einstellen.

 

 

 

Start in Zermatt

 

Aufgrund der warmen Temperaturen die tagsüber herrschten, wurden sämtliche Startzeiten um 1h vorverschoben. Unserer von 23:30 Uhr auf 22:30 Uhr. Gegen 21:00 Uhr machten wir uns also auf den Weg zum Startgelände. Der erste, bereits gestartete Startblock, kam uns dabei top motiviert entgegen.

 

Nach einer letzten kleinen Materialkontrolle war es dann soweit und wir reihten uns für unseren Start ein. Noch etwas motivierende Musik, ein gemeinsames Abzählen der letzten 10 Sekunden und dann fiel der Startschuss. Los gings!

 

 

 

 

Im Laufschritt und mit den Skiren auf den Rücken geschnallt, liefen wir durch Zermatt. Die Strecke wurde aufgrund der Schnee- und Lawinenbedingungen im ersten Teil etwas abgeändert, weshalb wir bereits ausgangs Zermatt die Skier anziehen und den Skipisten entlang aufsteigen konnten. Bei der Original-Strecke wäre man noch wesentlich länger zu Fuss unterwegs gewesen.

 

 

 Foto offizieller Flickr-Account PDG

 

 

 

 

Tête Blanche

 

Beim ersten Streckenposten "Schönbiel" angekommen, seilten wir uns an. Auf dem Zmuttgletscher ging es als Dreierseilschaft im Schein unserer Stirnlampen über den Stockjigletscher weiter Richtung Tête Blanche auf rund 3'650 müM.

 

Der Aufstieg zog sich länger hin, als ich dies von einem Training bei Tageslicht in Erinnerung hatte. Die Orientierung in der Dunkelheit gestaltete sich denn auch schwierig und es war mir kaum möglich einzuschätzen wo wir uns auf der Strecke effektiv befanden.

 

 

 Foto offizieller Flickr-Account PDG

 

 

Unser Rhythmus war gut und wir waren noch nicht übermässig erschöpft, als wir nach den ersten 2'030 Hm auf der Tête Blanche ankamen. Einzig unsere Hände waren tiefgekühlt und nur noch für Grobmotorisches zu gebrauchen. Bereits das Schliessen des Reissverschlusses der Jacke gestaltete sich unter diesen Umständen schwierig.

 

 

 

Arolla

 

Von der Tête Blanche ging es über den Col de Bertol, wo wir das Seil wieder im Rucksack verstauen konnten, hinunter nach Arolla. Auf dieser Abfahrt habe ich doch tatsächlich meine beiden Brüder aus den Augen verloren. Davon ausgehend, dass sie hinter mir sind, habe ich mehrmals angehalten und einige Augenblicke auf ihr Auftauchen gewartet. Als auch meine Rufe nicht erwidert wurden, kam ich zum Schluss, dass sie sich bereits irgendwo weiter talwärts befinden mussten. Und siehe da, bei einem Streckenposten auf halber Abfahrt warteten sie bereits ungeduldig auf mich.

 

 

  

 

Der kleine Ort Arolla stellt sowohl zeitlich gesehen, als auch bezogen auf die zu absolvierenden Höhenmeter in etwa die Hälfte des Rennens dar. Als wir gegen 04:00 Uhr morgens dort ankamen, erwarteten uns bereits die übrigen Familienmitglieder mit Verpflegung und motivierenden Worten.

 

 

 

 

 

Riedmattenpass, Rosablanche und Col de la Chaux

 

Während unserer Verpflegung in Arolla haben wir ihn schon gesehen, den nächsten Aufstieg. Fast schon unwirklich steil ging es da zu Beginn die Skipiste hoch. Einige Teilnehmer entschieden sich im Zickzack aufzusteigen. Gefühlt an der Grenze zum Haftungsvermögen der Skitourenfelle und mit kleineren Schritten war es aber möglich, gerade aufzusteigen.

 

Über den Riedmattenpass führte die Strecke hinunter zum Lac des Dix mit der grossen Staumauer Grande Dixence, wo allmählich der Tag anbrach. Es folgte ein weiterer Aufstieg bis unterhalb der Rosablanche. Dort hiess es, die längste Portage des Rennens in Angriff zu nehmen. Die Oberschenkel brannten und mittlerweile brachte einen auch die aufgegangene Sonne ins Schwitzen. Die zahlreichen Zuschauer auf der Rosablanche feuerten einen aber unermüdlich an und halfen einem so den Berg hinauf.

 

 Foto offizieller Flickr-Account PDG

 

 

 Foto offizieller Flickr-Account PDG

 

Foto offizieller Flickr-Account PDG

 

 

 

Nach einer Abfahrt von der Rosablanche blieb noch der letzte Aufstieg auf den Col de la Chaux. Dieser verlangte noch das letzte Quäntchen Energie. Weil man aber das Ziel quasi schon vor Augen hatte, biss man noch ein letztes Mal auf die Zähne und kämpfte sich die letzten Höhenmeter hoch.

 

 

 

Ziel in Verbier

 

Nach einer langen und rasanten Abfahrt hinunter nach Verbier war das letzte Teilstück durch das Dorf laufend zurückzulegen. Zahlreiche Zuschauer feuerten einen auf diesen letzten Metern kräftig an.

 

Und dann endlich, das Ziel war erreicht! Nach 11h 11min und 45sec, 4'000 Höhenmetern und 110 Leistungskilometern überquerten wir die Ziellinie. Wir waren erschöpft aber überglücklich.

 

 

 

 

 

Die Strecke

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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